Heimspiel: Marathon in Mannheim

Dejan und ich beim Start

Mein dritter Marathon war ein Heimspiel. Ich lebe in Mannheim, also musste ich natürlich auch mal meinen Heimmarathon laufen. Mit insgesamt über 11.000 Startern (ca. 1000 über die volle Distanz) auch keiner der ganz Kleinen. Stimmungsmäßig für mich knapp hinter Frankfurt und deutlich vor Mainz.

Ziele hatte ich mir natürlich auch gesteckt. Optimistisch 4:30, Minimalziel 4:45. Es hat nicht ganz sollen sein. Am Ende standen 4:47:07 auf der Uhr. Trotzdem bin ich hoch zufrieden. V.a. auch mit meinem weiter verbesserten Laufstil und dem bis ins Ziel runden Laufgefühl. Ein Ergebnis konsequent angewendeter Stabilisierungsübungen (s. Foto weiter unten). Auch meine Einschlafprobleme habe ich in den Griff bekommen. Waren es vor meinem ersten Marathon nur 5 Stunden in zwei Nächten (3+2) und vorm Zweiten 8 (4+4), konnte ich dieses Mal normal einschlafen. So konnte ich drei Ziele erreichen: Ausreichend Schlaf, stabiler Laufstil und Marathonfinish.

Am Start war ich, wie schon letztes Jahr in Mainz, zusammen mit meinem Freund und Laufkumpel Dejan. Übrigens betreiben wir die Google+ Seite Per Pedes.

Die ersten 15 Kilometer

Nach ca. 9km. Die Schleife um Seckenheim. Wir sind frisch.

Der landschaftlich schönste Streckenabschnitt. Über die Augusta-Anlage am Luisenpark vorbei geht es aus der Stadt raus, in Richtung Seckenheim. Zunächst um Seckenheim herum mit einem wunderschönen Blick in Richtung Heidelberg und Odenwald. Ein schönes Fleckchen Erde, das mir aus vielen Kilometern Longjogs bestens bekannt ist und mir sehr am Herzen liegt.

Nach der Schleife um Seckenheim, ging es dann durch das Zentrum Seckenheims hindurch. Stimmungstechnisch – nach der Innenstadt um den Wasserturm und die „Quadrate“ – das Highlight für alle Läufer.

Kilometer 16 bis Halbmarathon

Ein Foto aus einem Trainingslauf am Paul-Martin-Ufer entlang

Nach gut 16km ging es zurück in die Innenstadt. Zunächst ein gutes Stück in meinem Laufrevier am Neckar entlang (Paul-Martin-Ufer und Luisenpark). Am Start-Ziel-Bereich bzw. Wasserturm vorbei in die Quadrate und die Fressgasse entlang. Dort bogen dann die Halbmarathonis links ab. Wir liefen geradeaus weiter. Die Stimmung in der Innenstadt war sehr motivierend und trotz DFB-Pokalfinale waren sehr viele Zuschauer an der Strecke und trieben uns an. In Richtung Halbmarathonmarke und Kurt-Schumacher-Brücke.

Die Brücke – Die Sau

Auf der Brücke. Das Feld merklich ausgedünnt.

Es gibt den Marathon und es gibt die Kurt-Schumacher-Brücke – eine Sonderwertung. Berüchtigt bei allen, die diesen Marathon schon mal gelaufen sind. Aber auch Denen ein Begriff, die nur schon mal davon gehört haben. Nicht umsonst habe ich in meine Trainigseinheiten immer wieder Kurt-Schumacher-Gedächtnis-Bergsprints eingelegt, um gewappnet zu sein ;-) Es zahlte sich aus. Tempo etwas raus und darauf konzentriert, weiter rund zu laufen und die Spannung in der Muskulatur in Grenzen zu halten. Viele Läufer haben diesen Abschnitt schon unterschätzt und haben spätestens auf dem Rückweg dafür bezahlt. Das war mir der Zeitverlust wert.

Kurz nach Beginn der Rampe kam die Halbmarathon-Marke. Die passierten wir bei 2 Stunden 19 Minuten. Die 4:30 hatten wir schon etwas länger abgeschrieben, waren aber noch zuversichtlich, die 4:40 noch erreichen zu können. Der eigentliche Anstieg ist nicht sehr lang, dafür zu Beginn aber heftig. Vielleicht 500 Meter. Aber der restliche Weg bis zum Scheitelpunkt ist subtil. Wirkt nicht wie eine Steigung, die Beine melden aber Widerstand. Dazu noch ein recht kühler Wind da oben. Nachdem wir zum ersten Mal oben waren, freute ich mich nicht auf den Rückweg. Teil 1 hat schon mal gut eine Minute gekostet. Nach später über 37km sollte es nicht leichter werden.

Kilometer 23 bis 32

Hier war ich – vielleicht auch nach dem Eindruck der Brücke – etwas genervt. Von den Läuferinfos, nach denen man alle 2,5km mit Getränken rechnen konnte. Es zog sich aber noch etwas. Die Brücke runter und noch ein Stück weiter, wartete dann endlich die nächste Getränkestation. Gel Nummer zwei rein und Wasser drauf. Danach war die Brücke für’s Erste dann abgehakt.

Am Berliner Platz dann eines der letzten Stimmungshighlights. Auch hier war die Innenstadt gut gefüllt und die Zuschauer pushten uns wieder etwas. Dejan etwas mehr, der mir dann enteilte. Ich wollte aber nichts riskieren, lagen doch noch 17km vor mir. Ich ließ ihn ziehen. Sollte dann nach etwa 34km wieder zu ihm aufschließen, um den Rest wieder zusammen zu laufen.

In Mundenheim ebbte die Stimmung dann allmählich ab. Für die nächsten 10km sollten dann nur noch wenige Stimmungsnester für ein wenig Abwechslung sorgen. Ok, wir liefen natürlich auch im hinteren Feld und es war schon spät ;-) Trotzdem war die Zeit alleine und gerade der Abschnitt zwischen 30 und 35km grenzwertig öde. Außerdem warteten noch zwei unangenehmere Steigungen auf mich, die ich nicht auf dem Zettel hatte.

Meine Beine waren aber zum Glück noch ziemlich frisch. Nach 30, auch nach 32km noch keine größeren Ermüdungserscheinungen. Erst ab etwa 34km wurde die Muskelmasse dann etwas hart. Im Vergleich zu meinen beiden ersten Marathons ein gutes Stück später, was meine Trainingseindrücke bestätigte. Die obligatorische Begegnung mit dem Hammermann, der auch dieses Mal nur ein kleines Hämmerchen dabei hatte. Mein Laufschritt blieb rund und ließ mich diesen Abschnitt gut verkraften. Auch dieses Mal konnte ich ab hier wieder ein paar Läufer einsammeln. Jenseits der 30km-Marke tut es einfach immer wieder gut, Andere zu kassieren. Das motiviert und lässt die eigenen Schmerzen vergessen :-)

Kilometer 33-37

Teilweise immer noch etwas öde. Der Hammermann bekam aber, wie schon angemerkt, genug Kohlenhydrate ab. Hier irgendwo nahm ich mein viertes Gel zu mir. Kurz darauf krampfte der Magen kurz zusammen. Die Belastungsgrenze meines Magens war erreicht. Das ging aber schnell vorüber. Auch dieses Mal hatte ich vier Energiegels dabei. Genug für mich und ich komme damit gut zurecht. Und außerdem gibt’s ja bei gut organisierten Marathons ab 30km auch Cola ;-) Nach der Umstellung auf fast ausschließliche Fettverbrennung lief es wieder ziemlich gut und ich konnte Dejan schon wieder sehen. Noch 100-200 Meter vor mir, sah ich, wie er Bekannte von uns abklatschte. Das tat ich auch und ab Kilometer 34 waren wir dann wieder zusammen und freuten uns gemeinsam auf die zweite Brückenrunde :-)

Kurt zum zweiten

38 Kilometer. Der Schritt passt.

Brutal. Anstieg. Abfahrt. Endspurt.

Zum zweiten Mal rund drüber gekommen. Allerdings sackte die Pace hier auf etwa 8:00/km ab. Sei’s drum. Damit waren dann auch die 4:45 abgehakt. Und wie es kommen musste, sahen wir hier einen extrem krampfenden Läufer. Ich hoffe, er hat es nach kurzer Versorgung bei den Sanis noch geschafft. Spätestens der hier mittlerweile sehr kühle Wind, bestätigte meine richtige Materialwahl. Die leichte Laufjacke war zwar bis 25km noch etwas warm, zahlte sich aber später am Abend aus.

Ausgerechnet hier kam ich vor die Linse eines Fotografen. Es hat mich gefreut zu sehen, dass ich auch nach der zweiten Besteigung der Brücke noch aufrecht gelaufen bin. Überhaupt sah das für mich nach 38km noch sehr rund aus.

Kilometer 39 bis Zielbereich

Nachdem wir dann wieder in Mannheim angekommen waren, hieß es Augen zu und durch. Noch etwas endspurten und versuchen das Tempo nochmal etwas zu verschärfen. Aus der Ferne konnten wir schon die Musik und den Sprecher im Zielbereich hören. Noch ein Haken in den Quadraten, am Paradeplatz vorbei, über die Kapuzinerplanken und dann auf den Friedrichsplatz zum Zielbereich. Endspurt mit bis zu 5:40/km ;-) und geschafft! Auch den dritten Marathon nach Hause gelaufen. In persönlicher Bestzeit von 4 Stunden 47 Minuten und 7 Sekunden (5:13 in Frankfurt 2010, 4:58 in Mainz 2011).

Im Ziel

Fertig

Die Finisher-Medaillen waren aus! So schien und hieß es. Dann kam aber doch noch Nachschub. Wärmefolien gab es tatsächlich keine. V.a. bei den mittlerweile sehr kühlen Temperaturen sehr schade. Da sollte man nächstes Jahr nachbessern. Wer schon mal nahezu alle Kohlenhydrate verbrannt hat weiß, dass man sogar bei Wärme schnell friert, sobald man im Ziel ankommt.

Unser Marathon ist sehr gut organisiert und zum großen Teil sehr stimmungsvoll. Die Verpflegung unterwegs ist üppig und vielfältig, wobei eigentlich keine Wünsche offen bleiben. Im Vergleich zu Mainz ein Schlaraffenland. 2013 werde ich hier mal zum Halbmarathon an den Start gehen.

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5 Kommentare zu „Heimspiel: Marathon in Mannheim

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