In der Wüste war ich noch nie – In Mainz schon

Bericht zum Gutenberg Marathon in Mainz am 8. Mai 2011. Heiß war’s!

Der Vortag

Am Samstag um 11:30 sind wir angereist. Marathon-Messe und Abholen der  Startunterlagen. Auf dem Vorplatz der Rheingoldhalle ein schönes Ambiente mit Bier-, Grill- und Eisstand. Hier leuteten wir die Endphase des Tapering ein ;-)

Im Vorfeld hatte ich mich mit Catcat aus der Achilles-Community zum kurzen Treffen verabredet. Die Einladung zum gemeinsamen Nudelessen musste ich allerdings absagen. Wir hatten uns bei meinem besten Freund einquartiert, der in Mainz wohnt. Katrin (aka Catcat) hatte noch Besuch von Otti und Düse. Es hat mich gefreut, zum ersten Mal gleich drei Mitbloggerinnen in persona kennenzulernen! Auch wenn wir nur kurz Zeit hatten. Catcats Bericht hier: Drei, zwei, eins… Mainz. Ottis Bericht zum Halbmarathon gibt’s hier nachzulesen: Die drei Mainzelmädchen.

Das Schlafproblem: Vor meiner Marathon-Premiere im Oktober, hatte ich massive Einschlafprobleme. In den beiden Nächten vorm Start kamen in Summe nur etwa 5 Stunden Schlaf zusammen. Dieses Mal eine kleine Verbesserung, aber noch weit entfernt von gut geschlafen: Gesamt ca. 8 Stunden (4+4). Ich muss weiter an mir arbeiten.

Egal, die Erfahrung vom Oktober hat gezeigt, dass man trotzdem finishen kann. Kein Grund, einen Marathon wegen Schlafmangel abzublasen.

Vorm Start

Manche Mitmenschen sollten sich überlegen, ob und wie sie in aller Öffentlichkeit ihre Nippel abschmieren bzw. genüsslich einmassieren ;-)

Um 8:30 waren wir dann am Start und konnten dort eigentlich noch ganz gut entspannen. Trinken und etwas knabbern und noch eine Runde ToiToiToi. Die Nervosität war dann kurz vor 9:30 weggepullert und los ging’s in Richtung Startblock.

Der Lauf, der dann bevorstand, war mal wieder eine regelrechte Materialschlacht für mich. V.a. die Getränkelogistik kostete wohl das ein oder andere Minütchen. Kühlung und damit gute Aussichten auf das Finish hatten aber Vorrang bei diesen Wetterbedingungen.

Marathon

Der Startschuss fiel pünktlich um 9:30 Uhr. Gute 8 Minuten später gingen wir über die Startmatte. Jetzt schon hatte es knapp 20 Grad, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so warm anfühlten. Noch.


KM 1-3

Nachdem feststand, dass es eine Hitzeschlacht werden sollte, hieß das Motto noch vorsichtiger loslaufen. Allerdings haben wir den Start dann etwas zu sehr verbummelt. Durchschnittspace über 7:20 für die ersten drei Kilometer. Das hat gut eineinhalb Minuten gekostet. Der erste Teil der Strecke verlief zur Eingewöhnung zum Großteil im Schatten.

KM4

Das Werksgelände der Schott AG. Eines der Highlights – v.a. später auf Runde 2. Die Werkfeuerwehr sorgte mit schwerem Gerät und Schlauch für ausreichend Erfrischung. Dort stand sogar eine kleine Tribüne.

KM 5-8

Mombach. Teilweise etwas öde und sehr sonnig, ab Kilometer 6 dann wieder stimmungsgeladen, mit allerlei Musik und Zuschauern am Streckenrand. Die Mombacher machten das anfängliche Industrieflair wieder wett. Vielen Dank für die gute Stimmung!

KM 9-16

Quer durch die Altstadt an Christuskirche und Dom vorbei. Hier auch der einzige Abschnitt auf Kopfsteinpflaster. Die Innenstadt war wirklich sehr belebt und die Spaliere aus Draht und Menschen sorgten für eine sehr dichte und intensive Atmossphäre, was sich 25 Kilometer später noch richtig bezahlt machen sollte. Hier zeigte sich, warum der Mainz-Marathon einen besonderen Ruf, als einer der stimmungsvollsten Marathons überhaupt hat. Dann ging’s rechts ab auf die „Nadel“, wie ich den Abschnitt zwischen KM 16 und 20 für mich taufte.

Hier machte sich dann auch eine erste Blase bemerkbar. Selten genug bei mir. Beim ersten Marathon war ich davon sogar verschont geblieben. Nach 14km auch etwas früh. Nach 300km in diesen Schuhen und gut 100 in diesen Socken, zum ersten Mal überhaupt ein Problem mit dem Setup. Man sieht, man kann nicht alles Vorbereiten und dann denken, dass alles rund läuft. Ich musste handeln und die Socke zurechtzupfen. Ratsch! Da war sie gerissen, bzw. der Schaft, der über den Schuh hinausragt. Die Blase blieb im weiteren Verlauf aber still. Glück gehabt.

KM 16-20

Eine heiße Nadel. Fast ausschließlich in der Sonne und geradeaus. Zu allem Überfluss kamen einem die schnelleren Läufer entgegen und an der Nadelspitze musste gedreht werden. Hier schlug dann auch die Hitze zum ersten Mal so richtig zu.

Für einige Läufer endete die Veranstaltung hier, leider in Form eines Redezvous mit dem Notarzt. Ich hoffe, dass niemand ernsthaft zu schaden kam. Es gibt leider auch immer wieder Teilnehmer, die die Hitze unter- und ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. Eitelkeit und Zurückhaltung an der Wasserstelle sind in solchen Situationen auf keinen Fall ein guter Berater. Wir mussten noch öfter dem Krankenwagen ausweichen. Bei über 1.200 Finishern (Marathon) gab es um die 120 Notfälle an der Strecke.

Hier war das Läuferfeld immer noch sehr dicht. Oft kam es dabei auch zu Fastzusammenstößen mit den Läufern der Schülerstaffeln. Die kleinen Geschosse sprinteten oft im Zickzackkurs durch die Reihen. Gerade große Läufer sehen erst spät, was sich einen Meter unter ihnen im Gestrüpp so tut.

KM 21-27

Marathon-Weiche und die große Leere. Nachdem die meisten Läufer hier fertig hatten, ging’s für die Marathonläufer rechts ab über die Brücke nach Mainz-Kastel. Ein Streckenposten wollte mich noch rechts ins Halbmarathon-Ziel lotsen. Sah ich so gequält aus?

Tatsächlich kam schon jetzt der für mich schwerste Abschnitt des Laufs. Sehr wenig Schatten und durch das dünne Läuferfeld, streckenweise auch Langeweile. Nachdem wir am Halbmarathon-Ziel vorbei waren, konnten wir erst gut 400 Meter vor uns den nächsten Läufer ausmachen. Ein Blick zurück und fast das gleiche Bild. Das schlug dann doch etwas auf’s Gemüt. Bis KM 35 hörte ich ganz oft: „Oh, da kommt ja noch einer.“ ;-)

Hier meldete sich zum ersten Mal auch das Teufelchen: Komm! Ist doch viel zu heiß. Steig aus und genieße das Wetter. Der Zielbereich und der Schatten des Parkhauses sind nicht weit weg.

Nicht mit mir Freundchen. Man trainiert nicht 14 Wochen konzentriert, um auszusteigen, nur weil’s ein bisschen ungemütlich wird. Zurück und die Brücke runter ging’s dann wieder. Die Probleme beschränkten sich jetzt hauptsächlich auf die Brückenpfeiler, die unterhalb des Oberkörpers langsam Gestalt annahmen.

KM 28-35

Zurück auf dem relativ langen schattigen Abschnitt von Runde 1 konnte ich mich dann wieder ein wenig abkühlen und erholen. Das an einer Trinkhalle angebotene Bier lehnte ich dankend ab. Nach dem Marathon schmeckt das eh viel besser.

Bei der erneuten Dusche auf dem Schott-Gelände, habe ich es aber ein wenig übertrieben. Die Folge waren ein Paar komplett durchnässte Laufschuhe. Den Rest des Laufs sollte ich dann im Quietscheentchenschlurfschritt absolvieren. Nach etwa 31km nahmen auch schon die Abbaumaßnahmen der Streckenposten zu. Ich musste tatsächlich kurz mal nach dem Weg fragen. War mir nicht sicher, ob’s links oder rechts rum ging. Zum Glück war der Streckenposten noch im Bild. Bei mir setzten, auf Grund des langen Sonnenabschnitts, die ersten Verwirrtheitszustände ein.

Mombach ist auch einfach nicht meine Welt. Hier gab’s den trostlosesten Abschnitt, der jetzt fast einsam bewältigt werden musste. Leichter Anstieg, pralle Sonne und an Bahngleisen entlang. Nicht schön aber besonders. Nach 33km konnte ich meinen Kollegen Dejan wieder einsammeln, der schon länger 3-500m vor mir lief. Nicht weit, aber mit Beton im Gebälk zunächst unerreichbar. Wir sammelten dann noch einen Unbekannten ein, der uns 1-2 Kilometer begleiten konnte und dem wir Mut zusprachen. Sein Kommentar: „Zwei Marathons. Der Erste und der Letzte.“ Glaube ich ihm nicht. V.a. nicht dann, wenn er es später (hoffentlich) bis ins Ziel geschafft hat ;-) Und später dann noch: „Im Ziel werdet Ihr nicht viel Freude mit mir haben.“ Das war genug ;-) Wir drückten wieder etwas auf die Tube und ließen ihn zurück. Dejan musste ich dann nach gut 36 Kilometern wieder ziehen lassen. Er kam am Ende gut vier Minuten vor mir ins Ziel und finishte damit seinen ersten Marathon!

Nach 35 Kilometern stieg dann der Spaßfaktor wieder. Es ging jetzt ans Einsammeln :-) Auf den letzten 7 Kilometern konnte ich noch 10-12 Läufern kassieren. Wir alle wissen, wie sehr das motivieren kann :-) Am Ende sollten so immerhin noch 40 Läufer hinter mir gebleiben sein. Besser als garnichts.

KM 36-41,395

Die Schuhe quietschen unablässig. Das Wasser floss. Aus mir heraus, in mich hinein und über mich drüber. Das musste sein und half ungemein. Die Pace sackte kurzfristig ab, die Zwischenzeit versprach aber das Erreichen des Mini-Minimalziels von unter 5 Stunden. Ich genoss die letzten Kilometer durch die Altstadt mehr oder weniger und war zuversichtlich. Die „Geschwindigkeit“ konnte ich dann so hoch halten, um am Ende wenigstens unter 5 Stunden zu bleiben.

KM 41,396-42,195

Die letzte Kurve und dann die Zielgerade. Fast geschafft! Trotzdem wurde es nochmal sehr schwer. Rechts und links der Trubel an der Strecke. Und in der Mitte ich als Standbild. Ich dachte die Garmin wäre kaputt. Die ersten 3-400 Meter der Zielgeraden waren zäh wie Kaugummi – auf der Sohle und durch die Sonne aufgeweicht.

Dann aber war’s egal und die letzten 195 Meter „flog“ ich dann mit einer Pace von 6:36 ins Ziel. Am Ende steht die PB, in Zahlen 4:58,19. Nicht überdurchschnittlich gut, aber amtlich. Und bei den Temperaturen noch im Rahmen. Die 4:30 muss dann eben beim nächsten Mal fallen. Aktuell reicht das sogar zur Führung in der nationalen Marathon-Wertung – in der Kategorie Schuhgröße 48 auf Achims Läuferliste.

Der positivste Aspekt war die Gleichmäßigkeit. Bin ich bei meiner Premiere in Frankfurt noch regelrecht abgekackt (1. Hälfte 2:29,01, 2. Hälfte 2:44,21), hat’s gestern für zwei gleichmäßige Abschnitte gereicht: 2:28,46 und 2:29,33.

Verpflegungsbilanz: etwa 7 Liter Getränke und 10 Liter über die Rübe. Der Motor war gut gekühlt. Dazu 6 Gels. Im Vergleich zur Premiere in Frankfurt und in Relation zu den Bedingungen schon etwas ökonomischer als Frankfurt vor einem halben Jahr.

Fazit: Brutal aber wieder geil! Und gerne wieder!

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11 Kommentare zu „In der Wüste war ich noch nie – In Mainz schon

  1. Toller Bericht und du warst super vorbereitet. Die Getränke sind für mich immer eine Herausfoderung und vor allem diese dann nicht zu vergessen und vielleicht zu spät anzufangen.
    Dafür, dass es erst dein zweiter Marathon und dann noch unter solchen Bedingungen war, hast du das super gemeistert. Vor allem sehr konstant. Da kann man dich nur beglückwünschen. Viel Spaß beim Weitertraininieren auf den nächsten ;)

  2. Vielen Dank Din! Der nächste wartet noch bis nächstes Jahr. Jetzt steht erst mal die „Vorbereitung“ und Vorfreude auf den Nachwuchs an ;-) Werde noch den ein oder anderen Sommerlauf machen und die kleineren Umfänge für die Arbeit an den Tempogrundlagen nutzen.

  3. Noch ein Meenzer Blogger – wie schön! Ich glaube, wir hatten am Sonntag ein ganz ähnliches Lauferlebnis! Falls der Nachwuchs sich auf den babyjogger einläßt und Du nächstes Jahr wieder mit dabei bist, sollten wir mal eine Blogger-Pasta-Sause am Vorabend ins Auge fassen! Liebe Grüße, Anne

  4. Der Babyjogger ist schon fest eingeplant :-) Den ganzen Marathon werde ich in MZ nicht mehr laufen. Sind ja nicht viele Ms, die man läuft und deswegen will ich immer in einer anderen Stadt. Aber der HM wäre auf jeden Fall schon mal im engeren Favoritenkreis für nächstes Jahr.

  5. herzlichen glückwunsch zum finish!
    hast du wirklich 7 liter getrunken? das wäre ja selbst bei den sommerlichen temperaturen und deiner laufzeit arg viel – und nicht gerade ungefährlich …

  6. Vielen Dank!

    Naja, ob’s genau 7 waren. Geschätzt. Das ein oder andere Tröpchen geht auch mal daneben ;-) Sagen wir 5-6 wenn man’s gemessen hätte :-) Aber ich bin einer, der sehr stark schwitzt beim Laufen. Da kannst Du mit gut einem Liter die Stunde rechnen. Gerade bei diesen Bedingungen. Gut die Hälfte isotonisch, worauf ich achte. Und dann auch noch Natrium in den Gels.

    Bei gemäßigteren Bedingungen im Training trinke ich schon gut 2 Liter auf 26-30km. Und da habe ich gegen Ende der Läufe immer so richtig Durst. Ich denke mal, das Verhältnis ist noch nicht wirklich aus dem Gleichgewicht bei mir.

    Werde aber demnächst mal einen richtigen Schwitztest mit Wiegen machen, um meinen Verbrauch mal genauer zu ermitteln.

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